VO Ethik für Biologen

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Inhaltsverzeichnis

Grundbegriffe

  1. Nennen und erläutern Sie ein Beispiel für eine Kontrasterfahrung oder eine Sinnerfahrung, die zum Nachdenken über moralische Fragen motivieren kann.
    Kontrasterfahrung: Todesstrafe
    Sinnerfahrung: Deklaration der Menschenrechte
  2. Warum stellen sich gegenwärtig besonders viele ethische Fragen?
    Rasante technologische Entwicklung und Globalisierung. Die Möglichkeiten und somit die Konsequenzen sowie die Reichweite (auch global) unseres Handels sind vielfältiger denn je. Dürfen wir alles, was wir können?
  3. Nennen sie Beispiele für aktuelle ethische Fragestellungen.
    Verbrauchende embryonale Stammzellenforschung
    Global warming bzw. Produktion von Treibhausgasen auf Kosten nachfolgender Generationen
  4. Was ist Moral?
    Handlungsregeln, Wertmaßstäben und Sinnvorstellungen einer Gesellschaft die von den Menschen faktisch gelebt wird
  5. Was ist Ethik?
    wissenschaftliche Reflexion auf moralische Sachverhalte zum Zwecke der Beschreibung, Begründung und Kritik
  6. Inwiefern hängen Moral und Ethik zusammen?
    Ethik setzt Moral voraus muss sich durch Plausibilität durchsetzen
    Die faktisch geltende Moral muss sich auf Konsistenz, Vollständigkeit und Begründbarkeit hinterfragen lassen.
  7. Was kann Ziel ethischen Lernens sein?
    Befähigung zur Reflexion ethischer Probleme und zur selbständigen Erarbeitung vernünftig begründbarer und menschlich vertretbarer Entscheidungen/Urteile
  8. Welche Aufgabe hat Ethik in der Gesellschaft?
    Mitwirken an einem gesellschaftlichen Grundkonsens und somit zum Frieden in der Gesellschaft beitragen. Dies kann erfolgen durch
    Verantwortungsbewusstsein und Urteilsfähigkeit fördern
    gesellschaftliche Wertauffassungen deutlich machen/u.U. kritisieren
    Positionen und Argumentationslinien differenzieren
    Bestandteile ethischer Argumentation differenzieren (z.B. den Unterschied von empirischen Urteilen und Werturteilen)
    Fehlerhafte Argumente aufzeigen
    Sprachregelungen, Unterscheidungen vorschlagen…
    Minderheitenpositionen einbringen
  9. Welche 3 Teildisziplinen (bzw. Frageebenen) enthält Ethik?
    Deskriptive, normative und Metaethik
  10. Mit welchen Fragen beschäftigt sich deskriptive Ethik?
    Tatsächlich befolgte Handlungspräferenzen, Normen und Werte. Wie handeln die Menschen und wie denken sie darüber?
  11. Welche Aufgabe hat normative Ethik?
    Prinzipien und Kriterien der Moral, allgemein gültige Normen und Werte festlegen. Urteilsfindung. Was ist richtig? Wie sollen wir handeln? Was ist verantwortbar?
  12. Was versteht man unter Metaethik?
    Versucht die Natur der Moral im Allgemeinen zu bestimmen. Beschäftigt sich auch mit der Sprache der Moral. In der Metaethik werden keine inhaltlichen Aussagen bezüglich der moralischen Bewertung einzelner Handlungen gemacht.
  13. Welche soziale Funktion hat Moral?
    - Berechenbarkeit und Verlässlichkeit des Zusammenlebens
    - Hilfestellung zur Entscheidung im Alltag, Orientierung und Entlastung im Handeln
    - Beurteilung und Sanktion
    - Rechtfertigung: sich gegenüber Kritik verantworten können
  14. Nennen Sie zwei Ziele moralischer Entwicklung.
    - von Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung (Heteronomie und Autonomie)
    - zunehmende Komplexität, vom Partikularismus zum Universalismus
  15. Warum kann man nicht einfach sagen, moralische Überzeugungen seien Privatsache?
    Aufgrund von moralischen Überzeugungen werden Urteile gefällt und Handlungen durchgeführt. Diese Handlungen haben Auswirkungen auf unsere Mitmenschen aber auch auf die Umwelt.

Moralisches Problem

  1. Was ist Gegenstand einer ethischen Beurteilung?
    Personen und Handlungen (sofern moralische Beurteilung = ethische Beurteilung)
  2. Welche Termini verwendet man zur Beurteilung von Handlungen?
    richtig und falsch
  3. Welche Termini verwendet man zur Beurteilung der inneren Einstellung (Gesinnung) von Menschen.
    ethisch gut und schlecht
  4. Inwiefern können personenbezogene Argumente (Motivverdächtigungen) in moralischen Diskussionen ein Problem sein?
    Motivverdächtigungen führen leicht dazu, dass von Sachargumenten auf personenbezogene Argumente übergegangen wird. Man unterstellt etwa einer Person die Handlung aufgrund seiner Motivation durchgeführt zur haben, ohne auf die Sachargumente einzugehen. Genetischer Fehlschluss (Entdeckungszusammenhang und Begründungszusammenhang nicht abhängig)
  5. Welche Diskussionsregeln lassen sich vor dem Hintergrund der Unterscheidung von Gesinnung und Handlung formulieren?
    Vertrauensvorschuss an alle Beteiligten, guten Willen unterstellen!
    Zwischen Erklärung (Warum hat jemand so gehandelt?) und Rechtfertigung (Ist diese Handlungsweise richtig?) unterscheiden
    Zwischen Gesinnung (gut oder schlecht) und Handlung (richtig oder falsch) unterscheiden
  6. Geht es in der Ethik primär um die richtige Einstellung oder das richtige Handeln?
    Um die Handlung, denn diese zeigt Auswirkungen auf die Umwelt. Es ist etwa auch möglich mit einer ethisch schlechten Gesinnung, richtig zu handeln.
  7. Wodurch unterscheiden sich „Verhalten“ und „Handlung“.
    ?? (Moralische Bewertung bezieht sich auf „Handlungen“ im Unterschied zu bloßem „Verhalten“)
  8. Unter welchen Voraussetzungen kann man Handlungen ethisch beurteilen?
    Handlungen setzen Vernunft (Wissen/Gewissen) und Freiwilligkeit voraus. Einschränkungen dieser Voraussetzungen führen zu eingeschränkter Verantwortung.
  9. Wann sollte man Menschen wegen einem angerichteten Schaden keine moralischen Vorwürfe machen?
    Wenn keine Freiwilligkeit zugrunde liegt (Nötigung ist ein Straftatbestand) oder Fehlen von Vernunft (Wissen/Gewissen) (etwa Schuldunfähigkeit bei Kindern, setzt Reife der sittlichen und geistigen Entwicklung vorraus)
  10. Was meint Erfolgshaftung und was meint Verschuldenshaftung? Was gilt in ethischen Fragen?
    Erfolgshaftung: Man haftet für einen rechtswidrigen Erfolg (Bsp: ohne, dass man etwas macht kommt man rechtswidrig zu Geld)
    Verschuldenshaftung: Gilt in der Moral. Schlechte Handlung wissentlich und freiwillig getroffen.
  11. Was meint verschuldensunabhängige Haftung?
    Nur im Recht möglich. Man hat nicht schuld, muss aber dafür haften. Bsp: Vorstände von Aktiengesellschaften sollen für Fehlentwicklungen im Unternehmen persönlich haften - und zwar unabhängig von ihrem individuellen Verschulden.
  12. Wodurch unterscheidet sich ein ethisches Urteil von einem sonstigen rationalen Urteil?
    Ein rationales Urteil (Betrachtung der Folgen) kann auch vom Standpunkt des Egoismus (aufgeklärter Egoismus) sinnvoll sein. Ein ethisches Urteil beinhaltet Unparteilichkeit (Gute Gesinnung).
  13. Was meint R.M. Hare mit der Universalisierbarkeit moralischer Urteile?
    Wer von einem Sollen redet, muss ein entsprechendes Urteil universalisieren, also in jedem relevant ähnlichen Fall gelten lassen. Im Begründungsteil dürfen deshalb keine Individualbegriffe, sondern nur Allgemeinbegriffe vorkommen. Bloße Individualität, Ort und Zeit sind keine zulässige Begründung.
  14. Worin besteht der moralische Standpunkt?
    Rationalität: Rationales (überlegtes und aufgeklärtes Handeln) ist noch nicht moralisch, sondern auch vom Standpunkt des Egoismus sinnvoll (aufgeklärter Egoismus).
    Unparteilichkeit: Die Bereitschaft, an eigenes Handeln und das Handeln anderer Menschen denselben Urteilsmaßstab anzuwenden, macht den spezifisch moralischen Beurteilungsstandpunkt aus.
  15. Inwiefern enthält Moral eine zweifache Forderung?
    Aus guter Gesinnung heraus (Unparteilichkeit) das Richtige zu tun. Das Erste ist unbedingt (kategorisch) gefordert, das Zweite bedingt im Rahmen unserer (begrenzten) Möglichkeiten.
  16. Nennen Sie wenigstens drei Beispiele für Formulierungen eines Moralprinzips.
    Achte und respektiere die gleiche Würde aller Menschen!
    „Handle nach der Gerechtigkeit!“ „Handle nach der Vernunft!“
    „Everybody to count for one, nobody to count for more than one.”
  17. Nennen Sie wenigstens zwei Aspekte einer konkreten Überprüfung der Unparteilichkeit von Handlungen.
    1. Stufe: Sich selbst und sein Urteil in allen relevant ähnlichen Situationen prüfen!
    2. Stufe: Sich vorstellen, alle würden nach dem eigenen Handlungsgrundsatz handeln!
    3. Stufe: Sich in die Lage der Betroffenen versetzen (Rollentausch, Einfühlung, reales Erfassung).
    4. Stufe: Die unterschiedlichen Wünsche, Interessen und Ideale anderer berücksichtigen.

Ethisch richtig und falsch

  1. Was sind moralische Verpflichtungsurteile und wovon sind sie zu unterscheiden?
    Moralische Verpflichtungsurteile sind dadurch ausgezeichnet präskriptiv und universalisierbar zu sein. Sind von moralischen Werturteilen und außermoralischen Werturteilen zu unterscheiden.
  2. Ordnen Sie Beispiele von moralischen Verpflichtungsurteilen, moralischen Werturteilen und außermoralischen Werturteilen richtig zu.
    M. Verpflichtungsurteil: Alle Menschen haben ein Recht auf Freiheit.
    M. Werturteil: Xaver war ein Heiliger.
    Am. Werturteil: Das ist ein guter Wagen.
  3. Welche Funktionen haben ethische Normen im gesellschaftlichen bzw. im individuellen Leben?
    Steuern menschliches Zusammenleben im Staat (Ethik Basis für Gesetze, aber auch Kulturnormen) bzw. anderer Gemeinschaften (Religionen)
  4. Was meint R.M. Hare mit der Unterscheidung einer intuitiven und einer kritischen Ebene im Umgang mit ethischen Normen?
    Um alltägliche Entscheidungen zu treffen bzw. bei einer Vielzahl an Entscheidungen überhaupt handlungsfähig zu sein, kann man bei seinen moralischen Überlegungen nicht alle Alternativen und Folgen berücksichtigen (=kritische Ebene). Das alltägliche moralische Denken muss daher vorwiegend intuitiv sein. Hare spricht von moralischem Denken auf intuititiver Ebene. Aus diesen Gründen schlägt Hare vor, wir sollten für unser alltägliches Moralleben einige weitgefaßte moralische Prinzipien übernehmen und nicht von ihnen abweichen. Zu solchen Prinzipien gehören etablierte Moralprinzipien (nicht lügen, Versprechen halten, nicht töten usw.). Es ist sinnvoll sich an solche Prinzipien zu halten, auch wenn man auf kritischer Ebene bisweilen bessere Lösungen finden wird. Weil es für Menschen (aus Mangel an Zeit, Wissen, Intelligenz, Distanziertheit von den eigenen Interessen) unmöglich ist, jede neue Situation kritisch zu durchdenken (bzw. weil der Versuch, dies zu tun zu einem insgesamt schlechten Ergebnis führen würde).
  5. Inwiefern unterscheiden sich ethische und rechtliche Normen? Was ist ihnen gemeinsam?
    Rechtliche Normen schränken die Freiheit ein, wo sie mit der Freiheit anderer in Konflikt gerät; werden härter sanktioniert; appellieren auch an den Egoismus (Vermeidung von Strafe)
    Gemeinsam ist ihnen: Moralisches Handeln: Niemandem zu schaden und für alle Betroffenen die bestmögliche Lösung. Ermöglichen des friedlichen Zusammenlebens der Gesellschaft.
  6. Was ist in sog. „gemischten sittlichen Normen“ gemischt? Nennen Sie ein Beispiel.
    Gemischte sittliche Normen setzten ein Werturteil als auch ein Tatsachenurteil voraus. Bsp: "Du darfst niemanden Zyankali verabreichen". Dieser Satz gilt nur unter dem Tatsachenurteil (empirisch), dass Zyankali schädlich ist. Werturteil: Du darfst anderen nicht schaden.
  7. Was meint man mit einem praktischen Syllogismus. Nennen sie ein Beispiel.
    Aus zwei Prämissen, deren Richtigkeit nicht zur Debatte steht, dem allgemeinen Obersatz und dem besonderen Untersatz, folgt logisch notwendig die Konklusion.
    Obersatz: Du sollst als Arzt nach Möglichkeit Leben erhalten
    Untersatz: Eine Lungenentzündung ist eine lebensgefährliche Erkrankung. Durch die Verabreichung von Antibiotika kann man sie bekämpfen.
    Conclusio: Du sollst als Arzt bei schwerer Lungenentzündung Antibiotika verabreichen
  8. Fügen sie in Beispiele für die Begründung gemischter ethischer Normen die fehlenden Argumente ein bzw. kennzeichnen Sie die Argumente als Tatsachen- oder Werturteile.
  9. Was meint man mit dem Sein-Sollen-Fehlschluss (D. Hume)? Warum ist er ein Problem für die ethische Argumentation?
    Ethische Sätze sind nicht aus nicht-ethischen deduzierbar. Ethische Normen sind nicht aus reinen Tatsachen ableitbar. Ein Fehlschluss liegt vor, wenn das Sollen direkt aus einem empirischen Sachverhalt abgeleitet wird. Manchmal wird das vorausgesetzte Werturteil aber nur nicht eigens genannt. Bei der Argumentation fehlt das Werturteil (somit unvollständig), es können nur Sachverhalte diskutiert werden. Über das Werturteil kann unterschiedliche Meinung herrschen.
  10. Welchen Bereich ethischer Fragen betrifft der sog. „naturalistische Fehlschluss“ nach G.E. Moore?
    Metaethik. Gut wird also empirisch definiert und Ethik wird zu einer Frage der empirischen Wissenschaften. Lt. Moore: Ethische Eigenschaften sind nicht mit Hilfe nicht-ethischer Eigenschaften definierbar.
  11. Warum ist es wichtig, beschreibende und wertende Aussagen zu unterscheiden?
    Bei einem Streit um ethische Urteile ist es wichtig, zu klären, welche Prämisse umstritten ist. Es macht einen Unterschied, ob man eine Tatsachenfrage klären muss oder ob man sich im zugrunde liegenden Werturteil uneinig ist.

Normierungstheorien

  1. Was ist die Aufgabe einer ethischen Normierungstheorie?
    antwortet auf die Frage nach der Begründung von Urteilen über die sittliche Richtigkeit (Verpflichtungscharakter) einer Handlung,
    nennt jene allgemeinen Kriterien, durch die entschieden werden kann, was zu tun ist bzw. durch die begründet werden kann, warum eine Handlung oder eine Institution richtig und verpflichtend oder falsch und abzulehnen ist;
  2. Wodurch unterscheiden sich teleologische und deontologische Normierungstheorien?
    * Teleologische Normierungstheorien bestimmen die sittliche Richtigkeit von Handlungen ausschließlich anhand des außermoralischen Wertes ihrer Folgen. Es ist die Handlung zu wählen, die die vergleichsweise besseren Konsequenzen hat.
    * Deontologische Normierungstheorien bestreiten diese These und bestimmen die Richtigkeit von Handlungen (auch) nach anderen Kriterien.
  3. Welche Kriterien sind nach einer teleologischen bzw. einer deontologischen Normierungstheorien zulässig zur Begründung von Normen?
    teleologisch: nur außermoralische (Konsequenzen)
    deontologisch: auch andere Kriterien (milde Form: auch Folgen; strenge Form: keine Folgen berücksichtig)
  4. Nennen Sie Beispiele teleologischer und deontologischer Begründungen bzw. ordnen Sie diese richtig zu.
    teleologisch: „Forschung an embryonalen Stammzellen ist richtig, wenn dadurch neue Therapien entwickelt und Kranke geheilt werden können.“
    deontologisch: „Forschung an embryonalen Stammzellen ist falsch, weil sie Menschen instrumentalisiert (als reines Mittel behandelt).“

Utilitarismus als Beispiel

  1. Ist der Utilitarismus eine teleologische oder eine deontologische Normierungstheorie?
    Eine teleologische. Diejenige Handlung (oder Handlungsregel) ist moralisch richtig, deren Folgen (1) für das Wohlergehen (2 u.3.) aller Betroffenen (4) optimal sind.
  2. Welche Normierungstheorien vertritt Immanuel Kant? Nennen Sie ein Beispiel dafür.
    Immanuel Kant tritt für eine Deontologische Normierungstheorien ein. Bsp: Kategorischer Imperativ
  3. Welche 4 Prinzipien können den Utilitarismus charakterisieren? Welches davon ist variabel?
    Konsequenzenprinzip, Utilitätsprinzip, Hedonismusprinzip, Universalistisches Prinzip. Hedonismusprinzip variabel - hier wird der Ausdruck 'gut' verschieden definiert)
  4. Erläutern sie die 4 Grundprinzipien des Utilitarismus.
    Konsequenzenprinzip: ausschließlich Handlungsfolgen - teleologisch
    Utilitätsprinzip: Kriterium der Beurteilung ist der Nutzen, die "Utilität"
    Hedonismusprinzip: Variabel. Hier wird bestimmt, was gut ist. Bsp. Bentham: "Größtmögliches Glück für möglichst viele."
    Universalistisches : Ausschlaggebend ist das Wohlergehen aller von der Handlung Betroffenen.
  5. Nennen Sie wenigstens zwei Vertreter einer utilitaristischen Ethik.
    Jeremy Bentham (1748-1823), John Stuart Mill (1806-1873), Henry Sidgwick (1838-1900), R.M. Hare (1919-2002)
  6. Welche Folgen zählen für den Utilitarismus?
    die vorhersehbaren entsprechend ihrer Wahrscheinlichkeit (Risiko)
  7. Worin besteht für den Utilitarismus das Gemeinwohl?
    Summe des individuellen Nutzens (=„das größte Glück der größten Zahl“)
  8. Was fordert die Position eines Regelutilitarismus?
    es zählt der Nutzen des Regelsystems insgesamt; im Einzelfall hat man sich an die Sekundärprinzipien zu halten, nicht an das Primärprinzip (Nutzenmaximierung).
  9. Was kann man aus dem sog. Gefangenendilemma lernen?
    individuelle Nutzenoptimierung führt u.U. zu einem insgesamt schlechteren Ergebnis als Kooperation, d.h. die Einhaltung vereinbarter Regeln; dies ist auch ein Argument für Regelutilitarismus gegenüber Handlungsutilitarismus;
  10. Was spricht gegen die Verurteilung des Unschuldigen im Sheriff-Beispiel? Nennen sie ein teleologisches und ein deontologisches Argument.
    Für eine deontologische Theorie verstößt die falsche Verurteilung gegen die Gerechtigkeit und bedeutet außerdem eine Instrumentalisierung des unschuldig Verurteilten.
    Aber auch für einen regelutilitaristischen Ansatz ist das falsche Urteil unzulässig, weil nicht der Nutzen der Einzelhandlung zählt, sondern der Gesamtnutzen des Justizsystems. Ein Justizsystem, das die bewusste Verurteilung Unschuldiger einkalkuliert, ist aufgrund der Folgen für die Rechtssicherheit abzulehnen.
  11. Welche Vorteile und Probleme enthält der Utilitarismus?
    Vorteile: es zählen die Folgen der Einzelhandlung; Nähe zur Alltagsmoral; Vermeidung inakzeptabler Ergebnisse
    Nachteile: Womöglich sind nicht immer alle Folgen absehbar. Beweggründe bleiben unberücksichtigt.
  12. Was kennzeichnet eine deontologische Theorie?
    Enger Begriff: Normierungstheorien, die bestreiten, dass außermoralische Güter letztes Kriterium ethischer Richtigkeit sind
  13. Worin liegen die Vorteile deontologischer Theorien?
    Außermoralische Werte sind weniger/kein Kriterium. Es zählt nur die Kenntnis der Regeln. Keine Risikoabschätzung notwendig.
  14. Nennen Sie 2 konkrete Beispiele einer deontologischen Normierung.
    „Versprechen sind zu halten, weil man sie gegeben hat.“
    Folter ist falsch, weil sie Menschen instrumentalisiert (als reines Mittel behandelt).
  15. Warum hält Kant eine Notlüge für ethisch nicht akzeptabel? Wie kann man gegen seine Position argumentieren?
    Aufgrund der deontologischen Normierung ist lügen (wann auch immer) nicht aktzeptabel. (Falschaussagen sind moralisch falsch, weil sie gegen die Natur (natürliche Zweckbestimmung) der Sprache verstoßen.“). Gegenposition: „Der sittliche Grundsatz: es sei eine Pflicht, die Wahrheit zu sagen, würde, wenn man ihn unbedingt und vereinzelt nähme, jede Gesellschaft zur Unmöglichkeit machen.
  16. Wie lautet der kategorische Imperativ von Immanuel Kant?
    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.
  17. Was meint man mit „prima-facie-Pflichten“? Welcher Ethiker vertritt eine entsprechende Theorie?
    Ross. Treue, Wiedergutmachung, Dankbarkeit, Gerechtigkeit, Wohltätigkeit
  18. Nennen Sie eine Formulierung des kategorischen Imperativs bei Immanuel Kant bzw. erkennen Sie die entsprechenden Formulierungen.
    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.
  19. Was ergibt sich aus dem kategorischen Imperativ von Immanuel Kant für die Begründung von Normen?
    Der kategorische Imperativ ist ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium sittlicher Richtigkeit. Aus dem kategorischen Imperativ allein kann man Einzelnormen nicht hinreichend begründen.

Prüfung vom 15.12.2009

Fragen aus dem Fragenkatalog Neu: Lückentext bez. syllogisch Wertung

  • Werturteil: ...........
    ..........: Tiere leiden bei längeren Transporten Schmerz und Stress
    Konklusion: ...........
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